23.5.2019 – Verleihung des 10. Helmut-Schippel-Preises

Veranstaltungsort:
Schönbornsaal der Residenzgaststätten in Würzburg

Veranstaltungstag:
Donnerstag, 23. Mai 2019

 

Bericht zur Verleihung des 10. Helmut-Schippel-Preises am 23.5.2019

Mit dem Helmut-Schippel-Preis würdigt die Deutsche Notarrechtliche Vereinigung e.V. seit dem Jahr 2000 alle zwei Jahre herausragende juristische Arbeiten. Der Preis ist mit 5.000 € dotiert. Den Namen verdankt der Preis dem ersten Vorsitzenden der Deutschen Notarrechtlichen Vereinigung e.V., der 1999 – viel zu früh – verstarb. Helmut Schippel war aber nicht nur der erste Vorsitzende der Notarrechtlichen Vereinigung. Dieses Amt stand vielmehr am Ende einer langen berufspolitischen und wissenschaftlichen Karriere. Dieser Bericht würde gesprengt, würde man auch nur annähernd das Wirken von Helmut Schippel würdigen wollen. Jedenfalls war er neben seinem berufspolitischen Wirken als Präsident der Bundesnotarkammer und der Landesnotarkammer Bayern auf allen wissenschaftlichen Ebenen aktiv. Zunächst als Schriftleiter der Deutschen Notarzeitschrift, später als Lehrbeauftragter an der LMU München, wo er 1978 zum Honorarprofessor ernannt wurde. Es ist also kein Zufall, dass er die Gründung der Deutschen Notarrechtlichen Vereinigung maßgeblich mit vorangetrieben hat und ein mehr als würdiger Namensgeber für diesen notarrechtlichen Wissenschaftspreis ist.

Würdig war auch der Rahmen, in dem der Preis am 23.5.2019 zum zehnten Mal verliehen wurde. Ein festliches Abendessen mit Vorträgen an historischem Ort, im Schönbornsaal der „Residenzgaststätten“ in Würzburg, direkt neben der Würzburger Residenz, gaben Anlass für ein prominentes Publikum aus Wissenschaft und Praxis, sich die Ehre zu geben. Das Abendessen war freilich nur der angemessene Rahmen, im Vordergrund stand die Wissenschaft. Nach einer Begrüßung durch Prof. Dr. Peter Limmer, Präsident der Notarrechtlichen Vereinigung hielt Prof. Dr. Christoph Teichmann, Universität Würzburg, den Festvortrag zum Thema „Das Gesellschaftsrecht vor den Herausforderungen der Digitalisierung“.

Höhepunkt des Abends war die von Prof. Dr. Anja Amend-Traut gehaltene Laudatio auf die Preisträgerin Prof. Dr. Anne Sanders, Universität Bielefeld, die den Preis für ihre nunmehr im Mohr Siebeck Verlag erschienene Arbeit zur „Mehrelternschaft“ verliehen bekam und die anschließende Preisübergabe durch Linde Schippel, Witwe des Namensgebers und Prof. Dr. Rainer Kanzleiter, Ehrenpräsident der Notarrechtlichen Vereinigung. Auch wenn der Preis bereits zum zehnten Mal verliehen wurde, war es die erste Arbeit, die aus dem Bereich des Familienrechts ausgezeichnet wurde. Kein Wunder, denn die Arbeit drängt sich als preiswürdig geradezu auf.

Das deutsche Familienrecht denkt aktuell die Familie (noch?) als eine Konstellation eines Kindes und dessen Beziehung zu maximal zwei Elternteilen. Die gesellschaftliche Realität hat sich von dieser Konstellation inzwischen in vielen Familien entfernt. Die Autorin arbeitet diese Realität umfassend juristisch auf und stellt dem derzeitigen Modell einen Gegenentwurf gegenüber. Die Laudatorin hob insbesondere hervor, dass es der Autorin gelungen sei, nicht nur einen „Flickenteppich von Antworten auf Einzelfragen“ zu liefern, sondern vielmehr ein „Gesamtkonzept für eine zukunftsorientierte Elternverantwortung zu erstellen“. Das Werk sei eine echte Hilfestellung für den Gesetzgeber. Die Arbeit ist darüber hinaus aber nicht nur für den Gesetzgeber eine Lektüre wert, sondern auch für alle Praktiker, die bereit sind, über den Tellerrand hinauszuschauen und sich nicht nur mit der geltenden Rechtslage abfinden.

Auch wenn die zehnte Helmut-Schippe-Preis-Verleihung Geschichte ist, lohnt sich ein Blick in die Zukunft. Die Ausschreibung des nächsten Helmut-Schippel-Preises erfolgt in Kürze, der Einsendeschluss für die Arbeiten wird der 30. Juni 2020 sein. Die Notarrechtliche Vereinigung freut sich über weitere Mitglieder, die das Anliegen, Wissenschaft und Praxis zu verbinden, unterstützen möchten. Der Beitritt kann online unter www.notrv.de erfolgen.

Dr. Julius Forschner, LL.M. (Cambridge), Notarassessor, Würzburg